Die Bahn lernt es nicht, das neue Projekt




Hier können Gäste lesen

Die Bahn lernt es nicht, das neue Projekt

Beitragvon Mäuschen » Fr 3. Nov 2017, 18:22

Großprojekt Bahnhofsverlegung Altona Hamburgs Stuttgart 21

Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg wollen einen ganzen Bahnhof verlegen. Dabei wiederholen sie die Fehler von Stuttgart 21. Bürger werden ignoriert, Planungen sind geheim - und die Fahrgäste haben das Nachsehen.

Von Philipp Seibt

Freitag, 03.11.2017 12:36 Uhr

Die Versprechen der Deutschen Bahn klingen toll: Der neue Hamburger Bahnhof mache die Züge pünktlicher, das Umsteigen leichter, entlaste den Hauptbahnhof und schaffe auch noch Platz für neue Wohnungen, heißt es in einem Flyer über das Projekt. Ein Gewinn für alle, könnte man meinen.

Schön wär's.

Zwei Monate lang hat der SPIEGEL Unterlagen zu dem Großprojekt ausgewertet, eine Verkehrsanalyse durchführen lassen und mit Experten gesprochen. Die Recherche ergab: Die Begründung für das größte Bahnprojekt in Norddeutschland hält kritischen Nachfragen nicht stand, die Planung ist unvollständig. Schlimmer noch: Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg machen die gleichen Fehler wie beim Horrorbahnhof Stuttgart 21. Auch dort wurden wichtige Planungsunterlagen nicht veröffentlicht. Auch dort versäumte es die Bahn, den Nutzen für die Fahrgäste nachzuweisen. Auch dort wurden Einwände von Bürgern abgewiegelt.

Das Ergebnis ist bekannt: Im September 2010 kam es zu Massenprotesten in der Stuttgarter Innenstadt und einem brutalen Polizeieinsatz gegen Demonstranten. Die Lage beruhigen konnten erst eine Schlichtung unter Leitung des mittlerweile verstorbenen CDU-Politikers Heiner Geißler und später eine Volksabstimmung.

Der Mann, der den Protest gegen den Fernbahnhof in Hamburg anführt, heißt Michael Jung. Der Sprecher der Bürgerinitiative "Prellbock Altona" ist kein Wutbürger, er schreit nicht. Jung schreibt, und zwar einen Brief nach dem anderen. Dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz hat er schon geschrieben, dem Verkehrssenator, der Senatorin für Stadtentwicklung. Bisher: keine einzige Antwort.

Beim Treffen geht der Rentner zielstrebig auf den Bahnsteig 5 des heutigen Bahnhofs Altona, vorbei an den Gepäckschließfächern und Wagenstandsanzeigern. Erst ganz am Ende bleibt Jung stehen und streckt den Arm aus: "Dahinten soll der neue Bahnhof hin", sagt er und deutet hinter ein großes Feld voller Gleise und Oberleitungen.

Hamburg hat in der Nähe der Innenstadt derzeit drei Fernbahnhöfe. Fernzüge fahren zunächst zum Hamburger Hauptbahnhof und dann über Hamburg-Dammtor zum Kopfbahnhof Hamburg-Altona, wo sie enden. In der anderen Richtung starten viele Fernverbindungen in Hamburg-Altona und machen sich von dort über Dammtor und Hauptbahnhof auf die Reise.


Seit den Neunzigerjahren liebäugelt die Deutsche Bahn damit, diesen alten Kopfbahnhof Altona durch einen neuen Durchgangsbahnhof an anderer Stelle zu ersetzen. Hintergrund: Durchgangsbahnhöfe sind für die Bahn billiger zu betreiben, weil sie weniger Personal benötigen. 2014 fiel dann der Entschluss, den neuen Bahnhof 1,8 Kilometer weiter nördlich zu bauen. Bisher ist dort eine S-Bahn-Station. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt. Wenn alles nach Plan läuft, kommen im Sommer 2018 die ersten Bagger. 2023 soll alles fertig sein, der alte Kopfbahnhof soll dann abgerissen werden. Auf den frei werdenden Flächen plant die Stadt rund 1900 neue Wohnungen.

Die Bahn argumentiert, der Durchgangsbahnhof spare Zeit und im Fernverkehr entstünden kürzere Reisewege. Außerdem hätten Fahrgäste mehr Möglichkeiten umzusteigen. Allerdings weigert sich der Konzern hartnäckig, die Berechnungen zu veröffentlichen, auf denen ihre Darstellung basiert.

weiter geht es bei:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 75156.html




Benutzeravatar
Mäuschen
Stammuser ***
Stammuser ***
 
Beiträge: 771
Registriert: Fr 12. Aug 2011, 17:39

von Anzeige » Fr 3. Nov 2017, 18:22

Anzeige
 

Re: Die Bahn lernt es nicht, das neue Projekt

Beitragvon Rüdiger Voss » Sa 4. Nov 2017, 21:52

Das geplante Vorhaben in HH-Altona ist mit Stuttgart 21 keineswegs vergleichbar. Der neue Durchgangsbahnhof in Altona wird auf vorhandenen Bahngelände oberirdisch gebaut, Tunnelarbeiten und Abrodung alter Bäume und damit Teilzerstörung eines Stadtparks sind nicht notwendig. Andere Nachteile der Bahnhofsverlegung sind gegeben, wie schlechtere Anbindung für Pendler oder das zweigleisige Nadelöhr Verbindungsbahn Altona - Hamburg Hbf.

Schon jetzt wird der Kopfbahnhof von weiterführenden Fernzügen nicht mehr angefahren. Der ICE Hamburg Hbf - Kiel lässt den engen alten Kopfbahnhof schon seit Jahren über eine Umgehungskurve "links liegen", das galt Mitte der 90er auch schon für den Interregio Hamburg - Flensburg - Dänemark.
Und mitten im größten Chaos sprach eine Stimme zu mir:
"Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen."
Ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.

Daher - immer hübsch munter bleiben :grins:

meint Rüdiger

Benutzeravatar
Rüdiger Voss
Vereinsvorsitzender
Vereinsvorsitzender
 
Beiträge: 1937
Registriert: Do 21. Nov 2013, 23:52
Wohnort: Waiblingen (Raum Stuttgart)

Re: Die Bahn lernt es nicht, das neue Projekt

Beitragvon Galeerensklave » Sa 4. Nov 2017, 22:17

"und schaffe auch noch Platz für neue Wohnungen, heißt es in einem Flyer über das Projekt"

Genau wie im zum Drecksloch verkommenen Stuttgart ein Immobilienprojekt, Immobilienhaie und Baukonzerne stopfen sich auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen voll.
Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.

Anatole France
Benutzeravatar
Galeerensklave
Stammuser ***
Stammuser ***
 
Beiträge: 996
Registriert: Sa 31. Dez 2011, 12:39

Re: Die Bahn lernt es nicht, das neue Projekt

Beitragvon Birgit Kühr » Sa 4. Nov 2017, 22:19

Ich kenne mich da nicht aus, deshalb habe ich Mal etwas passendes zu dem Thema raus gesucht.

Hamburg-Altona Bahnhof
Der Kopfbahnhof Hamburg-Altona entspricht nicht mehr den heutigen verkehrlichen Anforderungen. Nach umfangreichen Untersuchungen wurde entschieden, den Bahnhof für den Fern- und Nahverkehr an den Standort Diebsteich zu verlegen. Es entsteht ein Durchgangsbahnhof mit sechs Fernbahngleisen und zwei S-Bahngleisen. Außerdem wird ein neues barrierefreies Empfangsgebäude gebaut. Der S-Bahn-Bahnhof Hamburg-Altona bleibt erhalten.


https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/ ... altona-bhf
Ich vergesse nichts, ich vergebe nichts und ich erwarte, dass jeder seine gerechte Strafe bekommt, für das Leid, was er angerichtet hat.
Benutzeravatar
Birgit Kühr
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 28172
Registriert: Sa 23. Feb 2008, 17:17
Wohnort: Angermünde (Uckermark)



Ähnliche Beiträge

Die neue Armut,die neue deutsche Verachtung
Forum: Hartz IV
Autor: Streetfigther
Antworten: 0

Zurück zu Stuttgart 21

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron