Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe




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Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe

Beitragvon Birgit Kühr » So 6. Aug 2017, 11:33

Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe, lässt mich am Verstand der Menschheit zweifeln

Ich denke oft, so dumm, wie Menschen in manchen Fernsehsendungen dargestellt werden, kann doch keiner sein. Aber ich habe wirklich Menschen kennengelernt, die nicht wussten, mit wem sie Sex hatten, dass sie Kinder gezeugt haben und was Verhütung ist. In solchen Momenten zweifelt man schon am Verstand der Menschheit und fragt sich: Wo ist die versteckte Kamera?

Eigentlich wollte ich nie im Jobcenter arbeiten. Aber dann war es die erste Stelle, die ich nach dem Studium angenommen habe. Ich hatte davor überhaupt keine Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Wie es sein würde, auf sehr arme und vielleicht auch sehr kranke Menschen zu treffen. Was, wenn ich ihnen helfen wollte, aber nicht könnte?

Schon beim Vorstellungsgespräch wurde ich gefragt: 'Was machen Sie, wenn eine krebskranke Frau vor Ihnen steht. Wie reagieren Sie dann?'


http://www.huffingtonpost.de/lisa-knurz ... 85490.html
Ich vergesse nichts, ich vergebe nichts und ich erwarte, dass jeder seine gerechte Strafe bekommt, für das Leid, was er angerichtet hat.
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von Anzeige » So 6. Aug 2017, 11:33

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Re: Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe

Beitragvon Streetfigther » So 6. Aug 2017, 11:41

Viele meiner Kollegen sind genervt, zweifeln am System!!( aber bekommen mit ihrer Tätigkeit ihr Gehalt)
Wenn sie nicht nur zweifeln sondern das System kennen würden dann wüsten sie auch auf was sie sich da eingelassen haben!!!
Das ist alles nur bla,bla um eine Rechtfertigung für ihre menschenverachtende Tätigkeit zu finden.
Sie können doch was dagegen tun??!!
Kein anständiger Mensch arbeitet im Jobcenter unter Hartz IV!!
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Re: Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe

Beitragvon Henry » So 20. Aug 2017, 12:37

Was mich an diesem Bericht wirklich schockiert, ist am Ende zu lesen:
(Zitat)
"Wenn ein Hartz-IV-Empfänger Mietschulden angesammelt hat, bekommt er von uns ein Darlehen. Für ihn bedeutet das, dass zehn Prozent seines Regelbedarfs gestrichen werden. Im Umkehrschluss aber auch, dass er sich nicht mehr um das pünktliche Zahlen der Miete kümmern muss, weil wir das dann direkt vom Amt aus erledigen. Somit hat der Empfänger noch weniger Eigenverantwortung. Und das kann doch nicht richtig sein, oder?
Die Menschen werden auf diese Weise immer abhängiger vom Amt, immer unselbstständiger. Sie entfernen sich immer weiter von der Lebensrealität." (Zitat Ende)

Die letzten beiden Sätze haben mich vom Stuhl gerissen. Das Jobcenter zahlt neben Hartz-IV auch die Miete (in Verrechnung mit den Regelbezügen). Als Folge daraus ergibt sich eine immer geringer werdende Eigenverantwortung. Die Menschen werden immer unselbstständiger und immer abhängiger vom Amt.

Wie verträgt sich diese Erkenntnis mit der Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen, das Menschen ja aus genau dieser Abhängigkeit holen soll? Sind die letzten Zeilen nicht der Beweis dafür, dass auch das BGE zu genau diesen Zuständen führt, also zu Äbhängigkeit und Unselbstständigkeit? Werden wir also auch mit der Forderung nach einem BGE verar****?

Fragt sich
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Re: Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe

Beitragvon Birgit Kühr » So 20. Aug 2017, 15:19

Hallo Henry, :Hallo:

schön das Du den Weg zu unserem Forum gefunden hast. Wir behandeln nicht nur Hartz IV, sondern auch viele andere Themen. Bei uns wird Meinungsfreiheit noch Groß geschrieben.
Wenn Du Fragen zum Forum hast, kannst Du mich jederzeit fragen. Ansonsten kann hier jeder ganz offen seine Meinung schreiben.

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Das Jobcenter bringt nicht nur die Bürger immer mehr in Abhängigkeit, sondern nutzt ihre Macht gegenüber die Erwerbslosen aus. Genau das ist von der Politik gewollt.

Ich bin ein Gegner vom Bedingungslosen Grundeinkommen. Da gibt es so viele Gruppierungen und Parteien die das Bedingungslose Einkommen vertreten. Aber hinterfragt man wie viel Geld jeder Bürger erhalten soll, kommt das große Schweigen.

Niemand nennt konkrete Zahlen und niemand sagt wie das finanziert werden soll. Ich befürchte, das wir durch das bedingungslose Grundeinkommen nachher weniger Geld zur Verfügung haben wie jetzt mit Hartz IV oder Sozialhilfe.

Bei einem bedingungslose Grundeinkommen muss sich jeder selber Krankenversichern, das sagt einen niemand. Was wird mit der Mehrwertsteuer, kommt die dann wirklich auf 100 Prozent, so wie es in manchen Konzepten vom beim Bedingungslosen Grundeinkommen zur Finanzierung angedacht wird?

Werden dann die Löhne und Gehälter halbiert, das würde erklären warum einige Unternehmer das befürworten?

Ich habe einmal einen Vortrag zum Bedingungslosen Grundeinkommen ca. 6 Stunden gehört. Seitdem lehne ich das ab. :wueten:
Ich vergesse nichts, ich vergebe nichts und ich erwarte, dass jeder seine gerechte Strafe bekommt, für das Leid, was er angerichtet hat.
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Re: Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe

Beitragvon Rüdiger Voss » So 20. Aug 2017, 18:55

:Hallialo: Henry und willkommen im Forum. Die Abhängigkeit vom Staat ist politisch gewollt, daran ändert auch das BGE nichts.
Und mitten im größten Chaos sprach eine Stimme zu mir:
"Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen."
Ich lächelte und war froh und es kam schlimmer.

Daher - immer hübsch munter bleiben :grins:

meint Rüdiger

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Re: Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe

Beitragvon Andreas Krödel » Do 24. Aug 2017, 09:36

Hallo Henry,
auch von mir ein Willkommen im Forum.
Leider ist es so, die Menschen (ca.16 Millionen Bürger dieser "BRD" - geschätzt) werden als "Arm" eingestuft und damit als Last, Drückeberger, faul, asozial, Schmarotzer gebrandmarkt. Sie werden abhängig von der Gnade des "Sozialstaates" und sind sie nicht "willig", wird ihnen Geld, Wohnung, Leben an sich halt verweigert, auf gesetzlicher Grundlage selbstverständlich - das ist eben so in dieser "BRD" :furchtbar wuetend: :Stinkefinger
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