Ex-McDonald's-Chef warnt vor Fast Food




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Ex-McDonald's-Chef warnt vor Fast Food

Beitragvon Mäuschen » Do 4. Jul 2019, 10:59

Zucker ist eine Droge und so schädlich wie Kokain, sagt Harald Sükar. Er hat 13 Jahre in der Chefetage von McDonald's Österreich gearbeitet - und fordert gravierende Änderungen.

Ein Burger mit Pommes, dazu Fanta, Cola oder Sprite und als Nachtisch ein Eis mit Karamellsoße - das macht viele Kinder glücklich und ihre Eltern zufrieden. Sie kommen wieder, klare Sache. So prägen Fast-Food-Ketten und Zuckerindustrie die Essgewohnheiten von Millionen Menschen - und richten damit schwere gesundheitliche Schäden an. Harald Sükar war lange Teil des Systems. Nun prangert er es an. Susanne Plecher hat mit ihm gesprochen.

Freie Presse: Herr Sükar, Sie haben 13 Jahre in der Chefetage von McDonald's Österreich gearbeitet. Jetzt sind Sie ein Fast-Food-Gegner. Wie kam es zu dem Sinneswandel?

Harald Sükar: Es hat tatsächlich einen gewaltigen Sinneswandel gegeben. Der hat mit meiner persönlichen Entwicklung zu tun. Ich habe 110 Kilogramm gewogen und befand mich in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand. Dann habe ich begonnen, mich mit meinem eigenen Körper zu beschäftigen und zu analysieren, wie es dazu gekommen ist und was man dagegen tun kann. Ich habe mich mit wissenschaftlichen Studien befasst. Je tiefer ich da hineingestiegen bin, desto mehr wurde mir klar, dass alles, was ich früher verkauft habe, dazu beiträgt, die Gesundheit der Menschen zu verschlechtern.

Dass Fast Food ungesund ist, ist nicht gerade neu. Warum soll Ihnen das in Ihrer Position nicht klar gewesen sein?

Natürlich wusste ich, dass Fast Food dick macht - bei zügellosem Konsum, für den der Kunde aus Sicht des Konzerns ja selbst verantwortlich ist. Ich habe nicht realisiert, dass Zucker süchtig machen kann und dass Burger und Pommes keine guten Nährstoffe enthalten. Letztendlich habe ich die Aussagen, die die Konzerne ja noch heute tätigen, selber geglaubt.

Viele Fast-Food-Restaurants richten ihr Marketing auf Kinder aus. Wie wird das konkret bei McDonald's betrieben?

Kids Marketing ist ein eigenes Segment im Konzernmarketing und ein klar durchdachtes, fein justiertes Instrumentarium, durch das Kinder ein Leben lang an den Konzern gebunden werden. Zum Beispiel durch das Happy Meal, wo es zu den Speisen ein kleines Spielzeug gibt und die Sammelleidenschaft bedient wird. Es gibt Kinderspielplätze, man kann seinen Geburtstag da feiern, Kinder dürfen im Restaurant mit den Fingern essen. Das finden sie toll.

Nun empfehlen Sie dringend, niemals mit Kindern zu McDonald's und Co. zu gehen. Warum sind Sie so rigoros?

Das größte Problem ist, dass in jungen Jahren die Geschmacksempfindung und die Geschmacksnerven geprägt werden. Das kann jeder bei sich selbst beobachten, wenn er an Speisen denkt, die seine Oma oder seine Mutter gekocht haben. Da kommen Glücksgefühle auf, im Gehirn erfolgt ein Dopaminausstoß. Den gibt es auch bei Zucker und zwar ganz extrem. Was da im Körper passiert, sind die gleichen Prozesse wie beim Konsum von Kokain und Heroin. Das ist in vielen wissenschaftlichen Studien aufgezeigt worden. Dazu kommt, dass die Zahl an Diabetes-Erkrankten immer weiter steigt. In Deutschland gibt es acht Millionen Diabetiker, alle 55 Sekunden kommt ein neuer hinzu. Das sind epidemische Ausmaße. Selbst bei Kindern werden nichtalkoholische Fettlebern diagnostiziert. Das heißt, sie zeigen die gleichen Symptome wie Alkoholkranke. Das liegt massiv am Zuckerkonsum. Die American Heart Association rät dazu, dass Kinder nicht mehr als 18 Gramm Zucker pro Tag zu sich nehmen. Aber in 0,4 Litern Cola stecken allein schon 42,4 Gramm.

Zucker ist schädlich, da wird niemand widersprechen, abgesehen von der Zuckerindustrie. Aber ihn mit Kokain gleichzusetzen, ist schon starker Tobak.


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