Lieber tot als ins Altersheim




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Lieber tot als ins Altersheim

Beitragvon Birgit Kühr » Mo 8. Dez 2014, 23:21

Lieber tot als ins Altersheim

Ein 88-Jähriger aus Weeze soll zusammen mit seiner schwer kranken Frau ins Altersheim. Er will dort aber auf keinen Fall hin. Er sieht nur noch einen Ausweg. Und der ist grausam.

Im nordrhein-westfälischen Weeze hat sich ein unglaubliches Drama abgespielt. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, sollte ein 88-Jähriger zusammen mit seiner schwer kranken Frau ins Altersheim kommen. Der Mann sträubte sich dagegen, wollte unbedingt weiter in seiner kleinen Erdgeschosswohnung bleiben.


http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panor ... sheim.html
Ich vergesse nichts, ich vergebe nichts und ich erwarte, dass jeder seine gerechte Strafe bekommt, für das Leid, was er angerichtet hat.
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von Anzeige » Mo 8. Dez 2014, 23:21

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Re: Lieber tot als ins Altersheim

Beitragvon susisonnenschein » Di 9. Dez 2014, 02:53

Ich bin fest davon ueberzeugt und aus (ehemals) beruflicher erfahrung kann ich sagen:

Auch die derzeit aktuelle sterbehilfedebatte ist eigendlich ne debatte ueber/um den umgang mit menschen in der letzten lebensphase und/oder sterbenden , zu guter letzt ne frage von pflege/medizinischer versorgung und dabei hauptsaechlich die abwaegung zwischen kosten und menschlichkeit !

Ich bin ueberzeugt, die wenigsten wuerden freiwillig ihr leben , vorzeitig beenden wollen, aber die angst, ihrer familie/der gesellschaft bei notwendigen gewordener pflegebeduerftigkeit zur last zu fallen.., der allgegenwaertige gesellschaftliche druck,"kostenguenstig "sein zu muessen..nichts/wenig wert zu sein in krankheit/alter/in der sterbephase, einsam zu sein/werden und ggf.einsam zu sterben (und/oder an maschinen) ein opfer der "minutenpflege"/bugdetierung"/pflegenotstandes zu sein/zu werden....wer moechte das schon, egal ob in seinen eigenen 4 waenden oder in einem altenheim (was es nicht besser macht )

Wir sollten nicht ueber suizidbeihilfe lang/breit debattieren (auch "sterbehilfe "-genannt) sondern ueber ein wuerdiges altern, ne wuerdige pflege, die sich am betroffnen orientiert, ueber ausreichende moeglichkeiten der palliativpflege, ausreichende schmerzmedikation auf dem neuesten stand....denn was macht ein leben lebenswert (oder unwert )?


Die Lebensqualität!

Und die ist oft (ambulant wie stationaer ) mehr als schlecht, nicht (immer) wegen der/den erkrankungen der betroffnen, sondern wegen der allgemeinen RAHMENBEDINGUNGEN , unter denen menschen in der letzten lebensphase "gehalten "werden .

Ich glaube fest, menschen, die ihr leben durch ihrer krankheit nicht mehr lebenswert finden und den wunsch nach (begleitetem ) suizid haben, sind in der minderheit /einzelfaelle !


Wie gross muss die angst/verzweiflung des alten mannes gewesen sein, wenn er einen "erweiterten suizid "beging....waere man in/mit der pflege geborgen, wer wuerde so einen weg gehen?

So wird das tragende motiv die angst vorm verlust der Lebensqualität, durch den verlust des heims gewesen sein...
mein unwort :

"sozialverträglich "

Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.

"Wer bis zum Hals in Scheisse steckt, sollte den Kopf nicht hängen lassen." :) :)
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Re: Lieber tot als ins Altersheim

Beitragvon Paolo_Pinkel » Di 9. Dez 2014, 11:21

Ist in gewisser Weise nachvollziehbar. Zum einen der Pflegenotstand hinsichtlich Personaldecke und Qualifizierung. Zum anderen der daraus resultierende Druck und schlechten (würdelosen) Umgang mit den Menschen. Nicht umsonst haben einige schon mal proforma dagegen beim BVerfG Klage erhoben
Sieben Beschwerdeführer klagen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen die Zustände in deutschen Altenheimen.
Die Kläger bezeichnen die Pflegereform der schwarz-roten Regierung als "völlig unzulänglich".
Moniert werden vor allem sogenannte "freiheitsbeschränkende Maßnahmen" wie das Fesseln von Patienten.


==> http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/v ... -1.2209786

Ich denke, der Politik wird das zu Gute kommen, da "diese Variante" die effizientere ist. Ist ja im SGB II ähnlich gelagert. Man spekuliert auf ein frühes Ableben durch langanhaltenden Mangel. Ansonsten hilft die soziale Isolation vielleicht bei der Entscheidungsfindung :zum kotzen:
"Hartz-IV ist die arbeitsmarktpolitische Endlösung der Erwerbslosenfrage - Moi"
==> Antragstellung
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Re: Lieber tot als ins Altersheim

Beitragvon susisonnenschein » Di 9. Dez 2014, 11:54

Wobei der materielle mangel vermutlich nicht das primaere sein duerfte, denn, die generation, die jetzt alt/hochbetagt ist, hat noch die erfahrung aus kriegs,-nachkriegszeiten.

Aber..der mensch lebt nicht vom brot allein und ich denke/vermute, der mangel an menschlicher zuwendung duerfte das PRIMAERE sein.

Aber beides zusammen macht eben LEBENSQUALITAET aus und es gibt nicht wenige alte, die, bis auf den besuch der pflegekraft (vielleicht einmal am tag )hoffnungslos vereinsamt sind.

Unsere "sozialgesetzgebung "mit "sippenhaft "im falle der pflegebeduerftigkeit hat familien zerstoert..pflegebeduerftigkeit ist nach "allein erziehen "DAS armutsrisiko nr1..

Daher empfinde ich die debatte ueber "sterbehilfe"als zynisch/weltfremd...solange sich die rahmenbedingungen fuer alte /pflegebeduerftige nicht aendern, sind suizide/erweiterte suizide als gewollt anzusehen (da irgendwie logisch )

Das thema sollte JEDEN interessieren, , denn jeder wird alt/ggf.krank/behindert/pflegebeduerftig und die welle der altersarmut kommt (in vollem ausmass ) erst auf uns zu...daher ist fuer mich die (so ) gefuehrte debatte um/ueber sterbehilfe ne debatte um/ueber "euthanasie "(hat nur e netteren namen bekommen :wueten: )

In laendern, in denen familien noch in ihrer urspruenglichen form existieren/ihre aufgaben erfuellen (koennen) sind suizide im alter/bei pflegebeduerftigkeit selten und/oder haben einen anderen (meist medizinischen) hintergrund, da die alten in die familiaere gemeinschaft eingebettet sind und eine aufgabe als moralische instanz/vorbild erfuellen.
mein unwort :

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Re: Lieber tot als ins Altersheim

Beitragvon Birgit Kühr » Di 9. Dez 2014, 14:59

Nicht nur der Pflegenotstand wird dabei ein Rolle spielen, das die Alten und Kranken nicht ins Pflegeheim wollen. Ich bin auch so ein Fall. Nie würde ich in eines unserer Pflegeheime gehen.

Sehen wir es doch einmal realistisch. Was bleibt den Alten und Kranken denn noch im Alters- oder Pflegeheim? Von dem bisschen Taschegeld müssen sie noch 1 Prozent für Medikamente zuzahlen, Frisör, hygienische Artikel, manche brauchen noch eine Fußpflege haben, bleibt nichts übrig. Wer dann noch Rauer ist, kann am Daumen lutschen.

Nein Mal ohne Quatsch, so ist das Leben doch gar nicht mehr lebenswert.


Weniger Taschengeld für die ärmsten Heimbewohner

http://www.seniorentreff.de/diskussion/ ... ead386.php
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Re: Lieber tot als ins Altersheim

Beitragvon Paolo_Pinkel » Di 9. Dez 2014, 15:07

Birgit Kühr hat geschrieben:Nicht nur der Pflegenotstand wird dabei ein Rolle spielen, das die Alten und Kranken nicht ins Pflegeheim wollen. Ich bin auch so ein Fall. Nie würde ich in eines unserer Pflegeheime gehen.

Sehen wir es doch einmal realistisch. Was bleibt den Alten und Kranken denn noch im Alters- oder Pflegeheim? Von dem bisschen Taschegeld müssen sie noch 1 Prozent für Medikamente zuzahlen, Frisör, hygienische Artikel, manche brauchen noch eine Fußpflege haben, bleibt nichts übrig. Wer dann noch Rauer ist, kann am Daumen lutschen.

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Bedauerlicherweise setzt die Erkenntnis darüber, in was für einem "Sozial"System man so lebt und was Dumpinglöhne für weitreichende Auswirkungen haben usw. erst in einem Stadium dann ein, wenn der Betreffende körperlich nicht mehr sonderlich in der Lage ist, dagegen aufzubegehren. Teils amüsiert, teils erschrocken über so viel Blödheit nehme ich dann Kommentare wie: "Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet und jetzt ist meine Rente so klein, dass ich Grundsicherung beantragen muss" nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis. Das ist dann der fleischgewordene Beleg dafür, dass man sich entweder nie wirklich mit Politik beschäftigt hat und/oder man immer brav die gewählt, die die anderen auch wählen, weil das ja Familientradition ist :verlegen:
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